Sandreuth in Nürnberg – Immobilienmarkt & Entwicklungspotential
STECKBRIEF
SANDREUTH
- Südwestlich des Hauptbahnhofs, überwiegend industriell geprägter Bezirk entlang der Sandreuthstraße
Highlights
- ÖPNV-Anbindung: Buslinien entlang Sandreuthstraße und Maybachstraße; direkte Anbindung an Frankenschnellweg (B4R) und Hauptbahnhof
- Wirtschaft & Infrastruktur: Heizkraftwerk Sandreuth (N-Ergie), ZF Gusstechnologie GmbH, Eugen Bender GmbH & Co. KG; über 2.000 Arbeitsplätze im Bezirk bei nur 411 Einwohnern
- Besonderheit: Günstigster Stadtteil Nürnbergs (immowelt, 02/2026); Wohn-/Gewerbebebauung ausschließlich entlang Sandreuthstraße/Maybachstraße; historischer Ort mit Ersterwähnung 1242
Sandreuth ist Nürnbergs außergewöhnlichster statistischer Bezirk – und gleichzeitig laut immowelt (Stand Februar 2026) der günstigste Stadtteil der gesamten Stadt. Der Bezirk im Südwesten des innerstädtischen Gürtels ist in erster Linie ein Industriestandort: Auf 58 Hektar Fläche leben nur 411 Einwohner in 198 Wohnungen, während gleichzeitig rund 2.200 Arbeitsplätze im Bezirk angesiedelt sind. Dieses Verhältnis von 1:5 zwischen Wohn- und Arbeitsbevölkerung macht Sandreuth zu einem Sonderfall im Nürnberger Stadtgefüge – und zu einem Bezirk, der für spezialisierte Investoren mit Blick auf Mischnutzung und günstige Einstiegspreise ein eigenes Profil bietet.
Die Geschichte des Bezirks ist alt: 1242 wurde Sandreuth als „Sandrivte“ erstmals urkundlich erwähnt – der Name bedeutet „Rodung auf sandigem Boden“. Der Hof gehörte zu dieser Zeit der Deutschordenskommende Nürnberg und war Teil des landwirtschaftlichen Versorgungssystems der mittelalterlichen Stadt. 1899 wurde Sandreuth gemeinsam mit Gibitzenhof nach Nürnberg eingemeindet, woraufhin die industrielle Umnutzung des Areals begann – eine Entwicklung, die das Stadtbild bis heute prägt.
Lage und Anbindung
Sandreuth liegt südwestlich des Nürnberger Hauptbahnhofs und ist trotz seines industriellen Charakters verkehrlich gut angebunden. Der Frankenschnellweg (B4R) ist in direkter Nachbarschaft und ermöglicht eine schnelle überregionale Erreichbarkeit in alle Richtungen. Der Hauptbahnhof ist per Bus oder Fahrrad in wenigen Minuten erreichbar. Buslinien entlang der Sandreuthstraße und Maybachstraße erschließen den Bezirk im ÖPNV-Netz.
Bemerkenswert ist die hohe Motorisierungsquote: Mit 976 PKW je 1.000 Einwohnern liegt Sandreuth mehr als doppelt so hoch wie der Nürnberger Stadtdurchschnitt von 455 – ein typisches Merkmal eines Industriestandorts, dessen Nutzer primär per Auto anreisen. Für die wenigen Bewohner des Bezirks bedeutet dies zugleich eine sehr gute Parkplatzsituation, die in innenstadtnahen Lagen selten ist.
Wohnumfeld und Charakter des Bezirks
Sandreuth ist kein klassisches Wohnquartier – und sollte auch nicht als solches bewertet werden. Das gesamte Wohnangebot des Bezirks konzentriert sich auf einen schmalen Streifen entlang der Sandreuthstraße und Maybachstraße, wo Wohn-/Gewerbebebauung die einzige Mischnutzungszone des ansonsten industriell geprägten Bezirks bildet. Rund 93,9 Prozent der vorhandenen Wohnungen befinden sich im Geschosswohnungsbau; Einfamilienhäuser sind quasi nicht vorhanden.
Das Stadtbild wird dominiert vom Heizkraftwerk Sandreuth des Energieversorgers N-Ergie, einem der markantesten Industriebauten im Nürnberger Süden. Daneben prägen weitere Gewerbebetriebe wie die ZF Gusstechnologie GmbH und die Eugen Bender GmbH & Co. KG die Gewerbestruktur des Bezirks. Grünflächen und Freizeitmöglichkeiten sind im Bezirk selbst kaum vorhanden – die angrenzenden Bezirke Schweinau und Gibitzenhof übernehmen diese Funktion für die Bewohner.
Immobilienmarkt und Preisentwicklung
Sandreuth ist – trotz oder gerade wegen seines Industriecharakters – immobilienwirtschaftlich ein Ausnahmefall mit klarem Investitionsprofil:
- Kaufpreis Bestandswohnungen: ca. ⌀ 3.135 €/m² – der günstigste Wert aller Nürnberger Stadtteile (immowelt, 02/2026)
- Mietpreis Bestandswohnungen: ⌀ 11,05 €/m² (Quelle: ImmoScout24, Q1 2026) – Anstieg +5,34 % gegenüber Q1 2025
- Bruttomietrendite: 4,23 % – einer der höchsten Werte im südlichen Innenstadtgürtel
- Bodenrichtwert Wohn-/Gewerbebebauung: 910 €/m² (Sandreuthstraße/Maybachstraße, GFZ M: 1,8, Stand 01.01.2024)
Die Preisdaten für Sandreuth sind aufgrund des minimal kleinen Wohnungsbestands von 198 Einheiten mit Einschränkungen zu interpretieren – spezifische Bezirksdaten stehen auf den großen Portalen nur eingeschränkt zur Verfügung, da die Stichprobengröße gering ist. Regionale Vergleichswerte aus dem südlichen Innenstadtgürtel liegen bei 11,58 €/m² Miete und deutlich höheren Kaufpreisen – was die Renditequalität des vorhandenen Sandreuther Wohnungsbestands nochmals unterstreicht.
Bevölkerung und Nachfrage
Mit 411 Einwohnern auf 58 Hektar – einer Dichte von gerade einmal 7,0 Einwohnern pro Hektar – ist Sandreuth der am dünnsten besiedelte statistische Bezirk Nürnbergs. Zum Vergleich: Der Stadtdurchschnitt liegt bei 28 Einwohnern pro Hektar, Galgenhof und Steinbühl liegen bei über 230. Das Bezirksdatenblatt für 2014 wurde aufgrund zu geringer Fallzahlen nicht veröffentlicht – ein Hinweis darauf, dass die Bevölkerungszahl historisch stets minimal war.
Die wenigen Bewohner zeigen ein ungewöhnliches Profil: 60,1 Prozent männlich, nur 39,9 Prozent weiblich – ein starkes Ungleichgewicht, das auf den Industriecharakter des Bezirks und die damit verbundene Bewohnerstruktur hindeutet. Der Ausländeranteil liegt bei 48,2 Prozent, nahezu auf dem Niveau der benachbarten Bezirke. Die Erwerbsaltergruppe (15–64 Jahre) stellt mit 75,2 Prozent den mit Abstand höchsten Anteil aller betrachteten Bezirke – Sandreuth ist ein Ort, an dem fast ausschließlich Berufstätige wohnen.
Wirtschaft und Infrastruktur
Sandreuth ist primär ein Arbeitsstandort. Das Verhältnis von 2.197 Beschäftigten zu 411 Einwohnern beschreibt einen Bezirk, der tagsüber deutlich belebter ist als nachts. Das Heizkraftwerk Sandreuth der N-Ergie versorgt große Teile Nürnbergs mit Fernwärme und ist das prägende Großbauwerk des Bezirks. Die industrielle Nutzungsstruktur wird ergänzt durch mittelständische Produktions- und Gewerbebetriebe, die von der guten Anbindung an den Frankenschnellweg profitieren.
Nahversorgungsinfrastruktur für Bewohner existiert im Bezirk kaum eigenständig – die angrenzenden Bezirke Schweinau, Gibitzenhof und Steinbühl übernehmen diese Funktion. Die Arbeitslosenquote wird für Sandreuth gemeinsam mit Bezirk 19 (Schweinau) ausgewiesen und liegt bei 8,7 Prozent – ein Wert, der primär die Bewohnerstruktur dieser beiden südlichen Bezirke widerspiegelt.
Besondere Fakten und Entwicklungen
Sandreuth ist ein Bezirk, dessen Investitionspotenzial weniger im klassischen Mietwohnungsbau liegt als vielmehr in strategischen Überlegungen zu Stadtentwicklung und Nutzungswandel:
- Mit dem günstigsten Kaufpreis ganz Nürnbergs bietet der vorhandene kleine Wohnungsbestand an der Sandreuthstraße/Maybachstraße für Investoren mit langem Anlagehorizont ein außergewöhnliches Preis-Rendite-Verhältnis
- Die Mischnutzungszone Sandreuthstraße/Maybachstraße mit einem Bodenrichtwert von 910 €/m² (GFZ M: 1,8) lässt eine dichtere Wohn-/Gewerbebebauung planungsrechtlich zu – ein Hinweis auf mögliche Verdichtungs- und Umnutzungspotenziale
- Der sehr hohe Anteil erwerbsfähiger Bewohner (75,2 %) bei gleichzeitig sehr niedrigem Wohnungsbestand beschreibt eine strukturelle Unterversorgung mit Wohnraum in einem Gebiet mit hoher Arbeitsstättendichte – ein klassisches Muster für zukünftige Nachverdichtung
- Die historische Ersterwähnung von 1242 und die Zugehörigkeit zur Deutschordenskommende verleihen dem Bezirk einen kulturhistorischen Tiefgang, der weit über seine aktuelle industrielle Erscheinung hinausgeht
Sandreuth als Kapitalanlage
Sandreuth ist kein Bezirk für den klassischen Bestandsinvestor, der ein diversifiziertes Mehrfamilienhaus sucht – dafür ist der Wohnungsbestand zu klein und zu spezialisiert. Der Bezirk richtet sich an Investoren, die Mischnutzungsimmobilien, Konversionspotenziale und außergewöhnlich günstige Einstiegspreise in direkter Nähe zum Frankenschnellweg und Hauptbahnhof suchen. Die Bruttomietrendite von 4,23 Prozent und der niedrigste Kaufpreis aller Nürnberger Stadtteile machen Sandreuth für spezialisierte Anlagestrategien zu einem Bezirk mit echtem Nischencharakter.
